Krieg
Befreiungstag
Mind-Set
Jeder Krieg
Vollmond
Soldaten
Kreislaufwirtschaft
Krieg ist männlich
Volkstrauertag
Deutsche Soldaten im Osten
Nachsicht
Befreiungstag
Lachende Münder
bis an die Zähne bewaffnen
und füllen mit Befehlsgebrüll
Helle Augen verdrehen
so dass sie Feinde sehen
wo früher Menschen waren
Freundschaftliche Herzen
verhärten und verschließen
vor Mitmenschlichkeit
Kreative Ideen
fernsteuern mit KI
und falschen Informationen
Friedliche Gedanken
ausrichten auf uralte Männerlogik
dass Kriege Probleme lösen
statt
den Krieg zu ächten
Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden
„militärische Ehren“ abzuschaffen
den Menschen des Widerstands Orden zu verleihen
Deserteure als Helden zu feiern
eine Niederlage als Befreiung zu sehen
und
im Geist
und in der Weisheit
die Gegner zu umarmen
als Brüder
und den friedlichen Weg Jesu zu gehen
5 mei bevrijdingsdag
80 Jahre nach dem Krieg
Mind-Set
„Stell dir vor
es ist Krieg
und keiner geht hin“
das Mind-Set
der Friedensbewegung
Stell dir vor
es ist kein Krieg
aber Angst wird geschürt
Europa rüstet auf
und alle machen mit
das Mind-Set
von heute
Jeder Krieg
Jeder Krieg
tötet
die Menschlichkeit
kreuzigt
den Gottessohn
der ein Menschensohn war
Ein christliches Abendland
sind wir nicht.
Dodenherdenking 4 mei 25
Gedenktag der Toten in den Niederlanden
Vollmond
sie schießen wieder
sie flüchten wieder
sie sterben wieder als helden
ach
die winterlinge öffnen ihre blüten ins licht
sie bomben wieder
kinder schreien
mütter weinen wieder
ach
der vollmond steigt rot über den horizont
sie lügen wieder
sie schüren wieder die angst
sie zerstören das vertrauen
ach
die amsel singt unbeirrt ihr lied
sie vernichten wieder
schließen die augen vor dem leid
sie kämpfen wieder um Herr-schaft
ach
sie wiederholen die alten rituale der macht
wie lange noch
die kraniche ziehn rufend zurück nach haus
Russland überfällt die Ukraine
Soldaten
sterben nicht
sie fallen
sie sind umgekommen
sie sind im Krieg geblieben
in Wirklichkeit
sind sie
erschossen
erfroren
elendiglich verblutet
irgendwo in der Ferne
In der Heimat
sind sie dann
Helden
Kreislaufwirtschaft
Menschen produzieren Waffen
Waffen produzieren Tote
Tote produzieren Leid
Leid produziert Wut
Wut produziert Vergeltung
Vergeltung produziert Waffen
Waffen produzieren Tote
Tote produzieren Leid
Leid produziert ...
Krieg ist männlich
Krieg ist männlich
er will groß sein und mächtig
schön und stark
er will herrschen
er ist lüstern
will immer mehr
mehr Land, mehr Menschen, mehr Macht
er will siegen
alle Mittel sind ihm Recht
er verführt, er blendet, er lügt
er verschleiert die wahren Gründe und die Profiteure
(denn Einige profitieren immer)
von der „Achse des Bösen“ bis zum „Heiligen Krieg“
alles Konstrukte zur Manipulation
Mütter und Kinder gelten ihm nichts
Mensch und Natur werden ihm zu „Material“
er liebt die Technik, weil sie ihm fraglos dient
und „Gott“ zieht er auf seine Seite
(wie mag das wohl gehen?)
„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“
habe ich sagen hören
und: „Steck´ dein Schwert in die Scheide“
Warum also
hängt nicht in jeder Kirche, in jeder Moschee,
in jeder Synagoge
ein Plakat mit der Aufschrift
„Frieden schaffen ohne Waffen“ oder
„Barmherzigkeit überwindet Hass“?
Männer planen und führen Krieg
und manche Frauen bewundern sie dafür
(es werden weniger)
archaisches Ritual des Überlebenskampfes
immer noch verankert in den Köpfen und den Hormonen?
Was trübt ihren aufgeklärten Verstand und
was verdunkelt die Kraft ihrer Herzen?
Alles schreit nach Veränderung
nach Verwandlung
dieses Unbegreiflichen
und Unerträglichen
und doch in uns Existierenden.
Und so schreit es auch in mir:
Weibliche Kraft und Weibliche Weisheit
durchdringe männliches Herrschaftsdenken
und zerstörerisches Handeln
Christuslicht
erleuchte den verdunkelten Verstand
und heile die Trübungen unserer Herzen
verwandle
verwandle
verwandle
und lass nicht nach
bis wir Mitgefühl entwickeln mit allen Leidenden
bis wir die Erde achten
und von ihrer Schönheit durchdrungen werden
bis wir uns verbinden
mit allen Menschen als Brüder und Schwestern
und unser Handeln dem Wohl Aller dient
Volkstrauertag
(80 Jahre nach dem Einmarsch in die Sowjetunion)
„Wir gedenken der Opfer der Kriege“
Was für eine schöne Formulierung.
Schön neutral
alle sind Opfer
alle sind gleich.
Jeder Krieg fordert nun mal Opfer
das wissen wir doch.
Was also frage ich.
Was ist denn Krieg:
eine abstrakte Größe
eine Naturgewalt?
Er fordert Opfer
und produziert sie selbst
auf Schritt und Tritt.
Kann eine abstrakte Größe
fordern und produzieren?
Ich bin verwirrt.
Die Sprache bringt keine Klärung
und benennt keine Handelnden.
Ist es ein „Herr Krieg“,
der Menschenleben fordert?
Ist es die Technik,
die Opfer produziert?
Oder gibt es doch Verantwortliche?
Kaiser, Fürsten, Diktatoren
und viele Drahtzieher,
die den „Herrn Krieg“ erschaffen
und ihm Macht verleihen?
Und gibt es die Ausführenden:
Feldwebel, Offiziere, Generäle,
und haufenweise einfache Soldaten,
die mit dem immer mächtiger werdenden
„Herrn Krieg“
immer mehr Opfer fordern und produzieren?
„Wir gedenken der Opfer der Kriege.“
So heißt es immer wieder
in großem Einverständnis.
Der Opferstatus macht sie alle gleich
so scheint es:
den Einpeitscher und den jugendlichen Abenteurer
den Schreibtischtäter und das verhungerte Russenmädchen,
den SS-Offizier und den bärtigen Juden,
den gehorsamen Soldaten und den Deserteur,
der auf Befehl von ihm erschossen wird.
Ist das Wort „Kriegsopfer“
eine Decke aus Trost und Barmherzigkeit für alle
oder auch ein Tuch,
unter dem das Schuldige, Tödliche, Feige
sich bequem verstecken kann?
Und unter dem Verantwortung einfach verschwindet?
Hat „Herr Krieg“ wirklich alle gleich gemacht,
so wie der Meister Tod?
Wir sollten unseren Blick differenzieren
und unsere Sprache präzisieren,
damit sie uns Auskunft geben kann.
Denn
nicht alle Toten sind Opfer des Krieges
und ich möchte gerne wieder glauben
an ein (Jüngstes) Gericht,
bei dem alles ans Licht kommt
unter dem unbestechlichen
Blick des Christus.
Deutsche Soldaten im Osten
Deutsche Soldaten im Osten
sie liegen auf Kriegsgräberfriedhöfen
zu Abertausenden
stilisiert zu Opfern des Krieges.
Ich frage mich:
wo bleibt die andere Seite?
Begeistert oder widerwillig zogen sie in den Krieg
besetzten enteigneten verwüsteten
sie nahmen Nahrung, Vieh und Besitz
und ließen die Menschen dem Hunger und der Not
sie zerstörten walzten nieder und töteten.
Sie alle wurden zu Tätern
gewollt oder ungewollt
Vollstrecker des kalten Vernichtungsplans.
Da liegen sie nun
wie viel Prozent Täter, wie viel Opfer?
Bis zur Unkenntlichkeit
in jedem vermischt.
Gelitten haben sie und
im Sterben wurden sie gleich.
Erde bedeckt sie Alle.
Was spreche ich – dies wissend –
am Eingang zu einem Kriegsgräberfriedhof?
„Wir erkennen und bekennen als Deutsche
dass wir grenzenloses Leid
über Länder und Menschen gebracht haben.
Wir verneigen uns in Demut.
Wir bitten um Transformation
des Leids und der Schuld,
um geistige Erneuerung
um inneren und äußeren Frieden.
So sei es!
zum Wohle der Toten und der Lebenden.“
Nachsicht
Ich lechze nach Verstehen
damit ich nicht verurteilen muss
die Unpolitischen
die Herdenmenschen
die Mitläufer
die Leichtgläubigen
die Verblendeten
die Hörigen
die Steigbügelhalter
die Wegseher
die Menschenfänger
die Kriegslüsternen
die Volksverdummer
die Lügner
die Feiglinge
die Schreibtischtäter
die Kriegsgewinnler
die perfekten Rädchen im großen Getriebe
alles Menschen
mit Lebensgeschichten
mit Notwendigkeiten
und Sehnsüchten
Manches Wenige lerne ich verstehen
meine Verurteilung verliert an Schärfe
und Brecht lehrt mich:
„Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
in der wir untergegangen sind,
gedenkt,
wenn ihr von unseren Schwächen sprecht,
auch der finsteren Zeit,
der ihr entronnen seid…
Gedenkt unser
mit Nachsicht.“