Aufruf an Adam
Adam Mensch
Lust hast du an der Schöpfungskraft
die dir gegeben
und Lust hast du an der Zerstörung
des Geschaffenen
Angst lauert hinter deiner Kraft
Macht gegen Angst
Potenz statt Demut
Das Ego schwillt voll Stolz
wie der Penis im Zeugungsakt.
Wolkenkratzer richten sich auf
Panzerrohre entladen sich
Raketen fliegen ins Unbekannte
Bist du Herr über alles?
Ist die Erde zu klein
für deine Männlichkeit?
Mein Herz füllt sich mit dunkler Klage
weint über dich Adam
wie Jesus über Jerusalem
weint über deine Blindheit und Unwissenheit
und hüllt deine Angst in Mitgefühl
Adam
Folge der alten Weisheit
„Erkenne dich selbst“
Und dann:
schau auf die Schönheit
die Lebendigkeit der Schöpfung
die in allem ist und
die du selbst bist.
Männlichkeit
Ein Obelisk für den Sieg
eine Rakete für den Fortschritt
ein Penis für die Schaffung von Leben
eine Pistole für die Vernichtung davon
Form als Feier der Männlichkeit
dazu noch Effizienz und Tempo
mehr schneller höher
wozu?? wozu??
Kirchtürme wachsen in den Himmel
um Gott zu berühren
der ja ein Mann ist und ein Vater
aus patriarchaler Zeit
Sophia* du weise Frau
nimm die Männer auf deinen Schoß
lass sie die stille Wärme spüren
und die weiblichen Rundungen
dann können die männlichen Formen
die gerade Linie verlassen
sich beugen und neigen
und hineinfließen in die Spirale der Schöpfung
die niemals endet
* Sophia: seit Jahrtausenden weibliche Schöpfungskraft in vielen Religionen
Gesetz
Juden auf dem Weg in die Freiheit
damals
Moses kommt vom Berg
mit den Gesetzen
eines heißt
„du sollst nicht töten“
Wie soll ein Weg in die Freiheit gehen
ohne zu kämpfen und zu töten
Gott hat doch Feinde!
Das Gesetz erlaubte
Aug um Auge Zahn um Zahn *
einen vernichten
für einen Getöteten
Jetzt – gesetzlos –
hundert vernichten
für einen Getöteten
„Du sollst nicht töten“
wird es gelehrt in den Judenschulen
Lebt es in den Köpfen
und den Herzen der Gläubigen
Immer bessere Waffenrüstungen.
Dazwischen einer (ein Jude)
in der Waffenrüstung Gottes *
der nicht tötete
sondern sich töten ließ
Vielleicht
steht er jetzt auf dem Tempelberg
und weint
über sein Volk
das er liebt
* Aug um Auge, Zahn um Zahn: 5. Mose 21* Waffenrüstung Gottes: Epheser 6, 13 ff (Wahrheit, Gerechtigkeit, Bereitschaft zum Frieden, Glauben, Geist)
Herrschaft
Mächtige Männer
seit Jahrtausenden sind sie da
Kaiser Diktatoren Feldherren
und Päpste
bis heute
Sie glauben an Macht und Herrschaft
oft von „Gottes Gnaden“
Sie verwechseln Herrschaft mit Größe
und achten das Kleine nicht
Macht fühlt nicht
Macht macht
will das Da-Sein be-herrschen
fürchtet die Hin-Gabe an das Sein
Macht erschafft künstliches Leben
und löscht echte Lebendigkeit aus
Gewaltig ist der Reiz des Besitzens
von Land von Geld und Einfluß
von Sklaven und von Frauen
Gewalt-tätig sind sie
gegenüber der Erde
und ihren Gaben
Herrschaft als Spiel
als Selbstvergöttlichung
Im kosmischen Spiel
seid ihr Mit-Spieler
und nicht die Herren.
Beugt die Knie in Demut
und steht dann auf
zu eurer wahren menschlichen Größe
die euch befreit zu Mit-Menschlichkeit
und eurer Identität
als Diener der Schöpfung.
So sei es!
Männergewalt
Ihr Männer
die ihr Mädchen und Frauen
missbraucht vergewaltigt und umbringt
Ihr müsst verrückt sein
ihr tötet die
die ihr liebt
die Mutter die Geliebte die Ehefrau
Ihr vernichtet sie
und gleichzeitig euch selbst
das Verletzte und Verletzliche
das Bedürfnis nach Liebe
Blindwütig vernichtet ihr
weil ihr euch selbst
nicht ertragen könnt
und weil ihr euch nicht kennt
Geht nach innen
wenn ihr nicht zu schwach
oder zu feige dazu seid.
Ja, es ist viel einfacher
Macht auszuspielen
als Macht
über sich selbst zu gewinnen
und sich selbst zu lieben.
Tag der Gewalt gegen Frauen
Ihr Männer
Ihr Schriftgelehrten und Hohen Priester
ihr Gebildeten
die ihr euch besser und klüger wähnt
als das Volk
! ausgerechnet ihr !
Lügen Anklagen falsche Beschuldigungen
gegen den
der euer verkrustetes Denken
erneuern wollte
und eure Augen öffnen
! ausgerechnet ihr !
folgt eurer Angst
die Position zu verlieren
und die Macht
und opfert ihn
dem lauten Hassgeschrei
und der einfachen Lösung:
schaff ihn weg, töte ihn
Und du Petrus du Mann
Treueschwüre an den Meister
die du schon gleich vergessen hast
als sie dich als Schüler von Jesus erkennen
ein Feigling warst du ein Hasenherz
Angst war die Kehrseite deiner großen Klappe
und dann weintest du bitterlich
als der Hahn krähte
Gingst du mit deiner Reue zum Kreuz?
Nein weg warst du
abgehauen wie die anderen Jünger
konntet ihr dem Tod nicht ins Auge schauen
seid ihr weggelaufen
vor dem Ende eures Traums
und vor euch selbst?FORTSETZUNG ▶︎
Und ausgerechnet dieser Petrus
wird zum Kirchenführer gekürt
Wer sich das wohl ausgedacht hat
Männer sicher
die selbst Angst haben
und einen Führer wollen
an dessen Macht und Glanz
sie teilhaben und
eigene Verantwortung delegieren
den sie dann sogar
über alle Zweifel erheben
in die Unfehlbarkeit
Wer blieb am Kreuz?
Johannes und Maria und viele Frauen
heißt es
Die die ihn geliebt haben
hatten die Kraft
bei ihm zu sein
auch im Sterben
Ach ihr Männer:
auch heute noch
erfindet ihr lieber Medizin
und Apparate gegen den Tod
und fliegt zum Mars
um euch großartig zu fühlen
und das ungelöste
Elend auf unserer Erde
nicht aushalten zu müssen
Lieben und Aushalten
gelingt wohl eher den Frauen
? Und ihr Männer ?
Beim Hören der Johannespassion
Weihnachten
Wir dekorieren alles zu
mit Glitzerglanz und Nostalgie
wir pflastern alles zu mit Dingen
mit Päckchen in Geschenkpapier
wir tun machen rennen
an uns selbst vorbei
Wir tauchen ab in Märchen unsrer Kindheit
und werden immer blinder
für das eine Märchen
das keines war
Da wurde doch ein Kind geboren
damals
Offensichtlich ein besonderes Kind
Die Spatzen pfiffen es von den Dächern
und die Engel vom Himmel
Und gleich entstand große Unruhe:
ein machtgeiler Herrscher
bekam es mit der Angst zu tun
und befahl einfach
alle neugeborenen Jungen zu töten
Blutlachen und Wehgeschrei
begleiten das besondere Kind.
Ein Esel half bei der schnellen Flucht
so blieb dieser Junge am Leben.
Die machtgeilen Männer
aller Hautfarben und
aller Religionen
es gibt sie noch immer
überallFORTSETZUNG ▶︎
Sie sind gefühllos und blind
für die Friedensenergie des Kindes
und das uralte Gebot
„Du sollst nicht töten“
sie produzieren Flüchtlingskinder
am laufenden Band
Menschenkinder
traumatisiert
für Generationen
Wir leben im Frieden
was für ein Segen
wir können Lichter anzünden
vor der Krippe knien
mit den Hirten und den Weisen
alle sind dort gleich.
Wir dürfen uns erleuchten lassen
in Herz und Sinn bis in die Eingeweide
wir dürfen von Maria hören
„Er stürzt die Mächtigen vom Thron“
und können dabei helfen
dass das geschieht
durch Menschen
mit weiblicher Kraft
und weiblicher Weisheit
(auch Männer)
die mutig sind
die der Verführung der Macht
des Geldes und der Technik
nicht erliegen
und das göttliche Licht des Kindes
in ihr Herz nehmen
bis es überfließt
in die Welt hinein